Vier Debütanten, ein großer Traum
Kap Verde, Curaçao, Jordanien und Usbekistan stehen 2026 erstmals bei einer WM. Genau solche Geschichten machen das Turnier unberechenbar, farbiger und besonders spannend.
Die Erweiterung der WM auf 48 Teams verändert schon vor dem ersten Anpfiff den Charakter des Turniers. Mehr Plätze bedeuten mehr Spiele, mehr Geschichten – und mehr Nationen, die zum ersten Mal überhaupt auf der größten Fußballbühne stehen. 2026 feiern gleich vier Teams ihre WM Premiere: Kap Verde, Curaçao, Jordanien und Usbekistan.
Kap Verde bringt eine der stärksten Außenseitergeschichten des Turniers mit. Der Inselstaat vor der Westküste Afrikas hat nur rund eine halbe Million Einwohner – und setzte sich in der Qualifikation in einer Gruppe mit deutlich größeren und erfahreneren Fußballnationen durch. Besonders bemerkenswert: Kap Verde gewann die Gruppe vor Kamerun, einem achtmaligen WM-Teilnehmer, außerdem waren Angola und Libyen in dieser Gruppe. Der entscheidende Schritt gelang mit einem 3:0 gegen Eswatini.
Curaçao ist sogar noch außergewöhnlicher: Mit rund 156.000 Einwohnern ist die Karibikinsel das kleinste Land, das sich jemals für eine Männer-WM qualifiziert hat – nach Bevölkerung und Fläche. Noch wenige Wochen zuvor hatte Kap Verde diesen Rekord gehalten, dann setzte Curaçao noch einmal einen drauf. Die eigentliche kleine Sensation liegt aber im Weg dorthin: Das Team blieb in der entscheidenden CONCACAF-Qualifikation ungeschlagen und sicherte sich das WM-Ticket mit einem 0:0 in Jamaika. In der Nachspielzeit wurde ein Elfmeter für Jamaika nach VAR-Eingriff zurückgenommen – wenige Minuten später war der größte Fußballmoment der Insel perfekt. Dazu kommt die besondere Mischung des deutschen Auftaktgegners: viele Spieler mit Wurzeln auf Curaçao, ausgebildet im niederländischen Fußball, geführt vom erfahrenen Trainer Dick Advocaat. Aus einer kleinen Karibikinsel wurde so ein WM-Teilnehmer.
Jordanien kommt nicht aus dem Nichts. Der Finaleinzug beim Asien-Cup 2023 war bereits ein klares Signal, dass sich dort sportlich etwas entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht Musa Al-Taamari, ein schneller, dribbelstarker Rechtsaußen, der in Europa seinen Weg gemacht hat – über APOEL Nikosia, OH Leuven und Montpellier bis zu Stade Rennes. In Frankreich sorgt er vor allem mit Tempo, direkten Eins-gegen-eins-Aktionen und Vorlagen für Aufmerksamkeit. Für Jordanien ist er mehr als nur der bekannteste Name: Er ist der Spieler, der Umschaltmomente gefährlich macht und einem Außenseiter genau die Art von Qualität gibt, die bei einer WM den Unterschied machen kann.
Usbekistan ist ebenfalls kein klassischer Exot, sondern eher ein überfälliger Neuling. In Asien galt das Team lange als eine der stärksten Nationen, die es nie zur WM geschafft hatten – mit mehreren bitteren Beinahe-Qualifikationen. 2026 ist dieser Knoten endlich geplatzt. Sportlich interessant ist die Mischung aus robuster Organisation, gewachsener Nachwuchsarbeit und einzelnen Spielern mit internationalem Format. Kapitän Eldor Shomurodov bringt Erfahrung aus Italien und der Türkei mit und war in der Qualifikation der wichtigste Torjäger. Dazu kommt mit Abbosbek Fayzullaev ein technisch starker Kreativspieler. Usbekistan wirkt deshalb weniger wie ein Zufallsteilnehmer, sondern eher wie ein Team, das lange auf diesen Moment hingearbeitet hat.
Debütanten sind schwerer einzuschätzen, weil es kaum WM-Erfahrung gibt. Gleichzeitig spielen solche Teams oft mit besonderer Energie. Vielleicht zahlt einer der Neulinge Lehrgeld. Vielleicht sorgt einer für die erste große Überraschung. Sicher ist nur: Diese vier Teams machen die WM 2026 größer, bunter und interessanter.
Bildquelle: FIFA, „FIFA World Cup 2026 debutants“, FIFA Digital Hub