Die ersten sind durch – andere zittern noch

24.06.2026

Nach dem zweiten Spieltag trennt sich bei der WM 2026 langsam die Spreu vom Weizen. Mexiko, die USA, Deutschland und Argentinien stehen bereits als Gruppensieger fest. Andere Favoriten müssen noch liefern – und für einige Teams wird der letzte Gruppenspieltag schon zum Endspiel.

Ghana stoppt England: Das 0:0 gegen die Three Lions gehört zu den auffälligsten Ergebnissen des zweiten Spieltags.

Der zweite Spieltag hat aus ersten Eindrücken echte Tendenzen gemacht. Nach den Auftaktspielen konnte man noch vieles als Momentaufnahme abtun. Jetzt ist klarer, wer bereits Kurs auf die Round of 32 nimmt, wer überraschend wackelt – und wer schon vor dem letzten Gruppenspiel kaum noch Hoffnung hat.

Ganz oben stehen die Teams, die den neuen Modus schon früh für sich entschieden haben. Mexiko, die USA, Deutschland und Argentinien gehen mit zwei Siegen aus zwei Spielen in den letzten Gruppenspieltag. Durch die neue direkte Vergleichsregel stehen sie sogar bereits als Gruppensieger fest. Das nimmt zwar ein wenig Spannung aus ihren letzten Partien, zeigt aber auch: Wer früh liefert, kann sich bei dieser WM schnell eine komfortable Ausgangslage erarbeiten.

Deutschland musste dafür allerdings deutlich mehr arbeiten als beim 7:1 gegen Curaçao. Gegen die Elfenbeinküste wurde aus dem lockeren Auftakt ein echter Härtetest. Erst Deniz Undavs Treffer in der Nachspielzeit brachte das 2:1 – und damit die Erlösung. Sportlich war das kein makelloser Auftritt, aber einer mit Wirkung: sechs Punkte, Platz eins, K.o.-Runde sicher.

Auch die Gastgeber haben nachgelegt. Mexiko gewann 1:0 gegen Südkorea und bleibt ohne Gegentor. Die USA schlugen Australien 2:0 und sind ebenfalls schon durch. Kanada feierte beim 6:0 gegen Katar sogar den ersten WM-Sieg seiner Geschichte – allerdings überschattet von der Verletzung Ismaël Konés. Drei Gastgeber, drei Geschichten: souverän, stabil, emotional.

Zu den klaren Ausrufezeichen des zweiten Spieltags gehörten auch Portugal und die Niederlande. Portugal zerlegte Usbekistan mit 5:0, Cristiano Ronaldo schrieb dabei einmal mehr WM-Geschichte. Die Niederlande antworteten auf das 2:2 gegen Japan mit einem 5:1 gegen Schweden. Spanien fand nach dem 0:0 gegen Kap Verde ebenfalls in die Spur und gewann 4:0 gegen Saudi-Arabien. Frankreich und Argentinien bleiben ohnehin ohne Punktverlust.

Aber nicht alle großen Namen liefern durch. England kam gegen Ghana nicht über ein 0:0 hinaus – ein Ergebnis, das die Euphorie nach dem 4:2 gegen Kroatien deutlich bremste. Belgien steht nach zwei Unentschieden ebenfalls noch ohne Sieg da. Und Portugal musste trotz Ronaldo-Show erst am zweiten Spieltag zeigen, dass der holprige Auftakt gegen die DR Kongo keine Richtung vorgibt.

Besonders interessant bleibt der Blick auf die Außenseiter. Ghana hat England geärgert, Kap Verde holte nach dem 0:0 gegen Spanien auch gegen Uruguay einen Punkt, Marokko steht nach dem Sieg gegen Schottland bei vier Zählern, Paraguay hat nach dem 1:0 gegen die Türkei wieder alle Chancen. Der zweite Spieltag hat gezeigt: Viele kleinere Teams sind nicht nur dabei, sie greifen aktiv in die Dramaturgie des Turniers ein.

Manche Favoriten kann man inzwischen besser einschätzen, andere bleiben riskant. Dazu kommt die neue Unübersichtlichkeit: Gruppensieger stehen früher fest, gleichzeitig können acht der zwölf Gruppendritten weiterkommen. Der letzte Spieltag wird deshalb nicht nur ein Blick auf Tabellen, sondern auch auf direkte Vergleiche, Torverhältnisse und Resthoffnungen. Kurz gesagt: Die WM ist sortierter – aber noch lange nicht einfacher zu tippen.