Deutschland und Oranje sind raus

30.06.2026

Erst scheitert Deutschland im Elfmeterschießen an Paraguay, wenige Stunden später erwischt es auch die Niederlande gegen Marokko. Die neue Round of 32 liefert sofort das, was sie versprochen hat: Drama, Überraschungen und große Namen, die viel früher nach Hause müssen als gedacht.

Paraguay kann sein Glück kaum fassen, Deutschland ist raus. Eine der größten Überraschungen dieser WM-K.o.-Runde ist perfekt.

So schnell kann ein Turnier kippen. Vor wenigen Tagen war Deutschland noch Gruppensieger, hatte zwei Spiele gewonnen und durfte trotz der Niederlage gegen Ecuador mit Selbstvertrauen in die K.o.-Runde gehen. Jetzt ist die WM für das DFB-Team vorbei. 1:1 nach 120 Minuten gegen Paraguay, 3:4 im Elfmeterschießen – und damit das nächste große deutsche Turnier-Drama.

Dabei hatte Deutschland lange fast alles, nur nicht den entscheidenden Zugriff. Viel Ballbesitz, viele Pässe, viel Kontrolle auf dem Papier – aber zu wenig Tempo, zu wenig Überraschung, zu wenig echte Gefahr. Paraguay verteidigte tief, geduldig und unbequem. Dann reichte dem Außenseiter ein Angriff: Julio Enciso köpfte kurz vor der Pause das 1:0 und erzielte damit Paraguays erstes Tor überhaupt in einer WM-K.o.-Runde.

Kai Havertz brachte Deutschland nach der Pause ebenfalls per Kopf zurück. Und als Jonathan Tah in der Verlängerung scheinbar das 2:1 erzielte, sah es kurz nach deutscher Erlösung aus. Doch der Treffer wurde nach VAR-Eingriff zurückgenommen. Eine bittere Szene, über die noch viel diskutiert werden wird – aber sie erklärt nicht alles. Deutschland hatte 120 Minuten Zeit, Paraguay zu schlagen. Am Ende musste das Elfmeterschießen entscheiden.

Ausgerechnet dort, wo Deutschland bei Weltmeisterschaften jahrzehntelang fast unantastbar wirkte, ging diesmal alles schief. Havertz, Nick Woltemade und Tah vergaben. Manuel Neuer hielt zwar einen Versuch, ein weiterer paraguayischer Schuss ging daneben, doch José Canale verwandelte den entscheidenden Elfmeter. Paraguay jubelte, Deutschland stand fassungslos da. Es war die erste deutsche Niederlage in einem WM-Elfmeterschießen.

Damit endet das Turnier für das DFB-Team früher als erhofft – und wieder bleibt ein bitterer Eindruck. Nach den Vorrunden-Aus 2018 und 2022 war diesmal zumindest die K.o.-Runde erreicht. Aber gegen Paraguay in der Round of 32 auszuscheiden, ist für eine deutsche Mannschaft trotzdem zu wenig. Bundestrainer Julian Nagelsmann steht nun unter Druck, auch wenn er nach dem Spiel einen Rücktritt ausschloss. Manuel Neuer kündigte im Sportschau-Interview dagegen an, dass es sein letztes Länderspiel gewesen sei.

Und Deutschland war an diesem Abend nicht allein. Kurz darauf erwischte es auch die Niederlande. Oranje führte gegen Marokko durch Cody Gakpo, doch Issa Diop köpfte Marokko in der Nachspielzeit in die Verlängerung. Auch dieses Spiel ging ins Elfmeterschießen. Dort behielt Marokko die Nerven, gewann 3:2 und trifft nun auf Kanada. Für die Niederlande war nach einem ebenfalls dramatischen Abend Schluss.

Zwei Elfmeterschießen, zwei europäische Schwergewichte raus: Die neue K.o.-Runde hat ihre Wirkung sofort gezeigt. Wer in der Gruppenphase noch rechnen konnte, bekommt jetzt keine zweite Chance mehr. Ein VAR-Eingriff, ein später Kopfball, ein gehaltener Elfmeter – und ein ganzes Turnier ist vorbei.