Zehn Tore, ein wilder Abschied – England holt Bronze

18.07.2026

Ein Spiel, das angeblich keiner wollte, wird zu einem der spektakulärsten dieser WM. England führt gegen Frankreich schon 4:0, muss nach der Pause noch einmal zittern – und gewinnt am Ende ein irres kleines Finale mit 6:4.

Bukayo Saka lässt sich nach seinem dritten Treffer feiern: England gewinnt ein wildes kleines Finale gegen Frankreich mit 6:4 und beendet die WM auf Platz drei.

Es sollte nur noch um Platz drei gehen. Um ein letztes Spiel nach zwei geplatzten Finalträumen, um Bronze, Prestige und einen halbwegs versöhnlichen Abschluss. Dann wurde Frankreich gegen England zu einem dieser Spiele, über die man auch nach dem Finale noch spricht: zehn Tore, wilde Phasen, ein beinahe unglaubliches Comeback und ein englischer Sieg, der zwischendurch viel klarer aussah, als er am Ende war.

England legte los, als hätte es die Enttäuschung aus dem Halbfinale in pure Angriffslust verwandelt. Declan Rice traf schon in der 3. Minute, Ezri Konsa erhöhte nach einer Ecke auf 2:0. Frankreich wirkte offen, ungeordnet und viel zu weit weg von der Einstellung und Energie, die ein Spiel gegen diesen Gegner verlangt. Noch vor der Pause machte Bukayo Saka mit zwei Treffern aus dem guten Start eine klare Ansage: 4:0 zur Halbzeit.

Eigentlich war damit alles entschieden. Eigentlich. Denn nach der Pause kam Frankreich zurück, plötzlich mit Tempo, Wucht und Mbappé. Der Kapitän traf zum 1:4, Bradley Barcola legte das 2:4 nach, dann war wieder Mbappé da: 3:4 nach 66 Minuten. Aus dem klaren englischen Erfolg wurde ein Spiel mit offenem Visier, Chancen auf beiden Seiten und dem Gefühl, dass hier noch alles passieren kann.

Saka beruhigte England erst spät per Elfmeter zum 5:3 – sein dritter Treffer an diesem Abend. Aber selbst das war noch nicht der Schlusspunkt. Ousmane Dembélé verkürzte in der Nachspielzeit auf 4:5, ehe Jude Bellingham mit einem Solo in der 98. Minute endgültig den Deckel draufmachte. 6:4 für England. Zehn Tore in einem Spiel um Platz drei – mehr Spektakel geht kaum.

Für England endet diese WM damit zumindest mit einem starken letzten Auftritt. Platz drei ist kein Weltmeistertitel, aber nach dem Halbfinal-Aus gegen Argentinien doch ein Abschluss mit Haltung. Für Thomas Tuchel und seine Mannschaft ist es der größte englische WM-Erfolg seit dem Titel von 1966.

Frankreich bleibt dagegen ein bitterer Abend. Die Aufholjagd war beeindruckend, die erste Halbzeit aber zu schwach. Didier Deschamps verabschiedet sich nach 14 Jahren als Nationaltrainer mit einer Niederlage. Kylian Mbappé setzte dennoch eine historische Marke: Mit seinen beiden Treffern steht er nun bei 22 WM-Toren und zog in der ewigen Liste vor Lionel Messi – zumindest vor dessen Finale gegen Spanien.